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| Meyer´s Schäng und der ewige Mucks | ||
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Schäng Meyer war ein komischer Kauz. Er wohnte auf seinem alten Schokker, mitten im Hitdorfer Hafen, tagsüber. Abends ging er hoch in sein kleines buntes Häuschen, in dem seine Frau, dat Lieschen wohnte. So erhielten die beiden alten Leute wohl ihren Ehefrieden
Und jeden Mittag, den Gott erschaffen hatte,
hörte man auf den Lohrer Rheinstraße, etwa Höhe des Hauses 150 eine
schrille Altfrauenstimme laut und deutlich rufen: „Schääääng, esse
kumme…!“ Lieschen war es dabei egal, dass sich zig Solinger
Touristen nach ihr umschauten, die Sonntags „dat grote Water kieken“
kamen. Viele davon blieben vor dem bunten Ensemble, nämlich Schiff
unten, Häuschen oben, stehen und staunten nicht schlecht über dieses
eigenartige, wenn auch sympathische Stückchen Lokalcholorit im
Hitdorfer Hafen. Hatte Schäng etwas Kniffeliges zu tun, konnte es sein, dass Lieschens Stimme zum zweiten mal erscholl, diesmal noch kräftiger als vorher und noch ungerührter gegenüber der zwischenzeitlich interessierten Bevölkerung, in dem sie rief: „ Schäääääääääng, kumm jitz esse, et wöht kahlt…!“ Etwas peinlich berührt, konnte es sein, dass Schäng dann brumming antwortete: „Jo, du domm Minsch, esch hann et verstande, fang schon enz ahn…!“ Jedenfalls führten die Lockrufe des Lieschens immer zum gewünschten Erfolg, auch wenn sich Schäng auf seinem flachen Nachen von seinem fest vor Anker liegenden, zum Hausboot umfunktionierten Schiff weit entfernt hatte, also z.B. auf dem Od mal nach dem rechten guckte, oder bei Hochwasser gerade mal wieder einen wichtigen Baumstamm fischte, den man eventuell gebrauchen könnte. Lieschens Stimme kam überall hin. Böse Stimmen munkelten, dass man Lieschen selbst am Niederrhein noch hörte und sie so manchen Schiffer vor dem Einschlafen bewahrt hätte.
Hatte Schäng nun gegessen, war er
eiligst wieder auf seinem Schiff und fummelte etwas, oder putze zum
100sten mal die Stege drum herum. Oftmals malte er auch die bunten
Farben seines alten Eisenschiffes nach, welches bezeichnenderweise
„Elisabeth“ hieß, nach der Frau, die Schäng wohl verehrte. Wir Kinder
vom Rhein haben etwas gebraucht, um zu begreifen, dass damit die
alte Frau Meyer, dat Lieschen gemeint sein musste. |
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Es hatte eine große Kajüte, die Schäng wohnlich einrichtet hatte, mit einem Sofa, einem Donnerofen, alten Bildern und Urkunden, Fotos von Verstorbenen, die er in Ehren hielt. Auf dem Sofa lag lange Jahre ein Wolfsspitz namens „Wölfchen“, während Schäng meist draußen beschäftigt war. Und der ewige Mucke brannte immer. Eines Tages, es muss so im Jahre 1967 gewesen sein, saßen wir Jugendliche, die wir die natürlichen Feinde des Schäng waren, weil wir immer über die frisch geputzten Brückchen liefen, oben auf der Rheinstraße, hörten mittels eines Kofferradios zeitgenössische Musik, sofern die Sender das damals zuließen und schauten bei Beatles und Rolling Stones gedankenverloren dem Schäng bei seinen Handlungen zu. Der obligatorische „Schäääääääng-Ruf“ war schon erschollen und Herr Meyer stand wie immer schweigend und uns den Rücken zuwendend in seinem flachen alten Nachen an der Landseite der alten Elisabeth und war dabei genau diesen Namenszug mittels eines Malerpinsels minutiös nachzumalen, auf dass er wieder von weitem lesbar sei. Dabei sahen wir, wie gewohnt, dass hinter der flachen blauen Antwerpener Schifferkappe der ewige Mucks um so mehr brannte, je kniffeliger die Aufgabe wurde. Bögelchen für Bögelchen malte der alte Mann in blauer Wolle gekleidet und seine ganze Aufmerksamkeit gehörte seinem Tun…… …nun war es aber Hochwasser und die den Hafen schützende Kribbe war längst überspült. Immer wieder rollten sich kleine Wellen des Rhein ab, die auf Grund der Strömung aber nie bis in den Hafen kamen. Und während Herr Meyer nun am L des langen Namens erst war, pflügte sich „bergauf“ ein ordentlicher Schlepper durch das braune, schnelle Rheinwasser, mit einer ordentlichen Bugwelle. Aus den Augenwinkeln sahen wir die Bescherung langsam kommen. Mit Zeitverzögerung erreichten hohe kurze Wellenberge die Kribbe, setzten kurzerhand über den Hafen, ehe wir uns oben abschubsen konnten und sprachlos zuschauten hob die Kraft der Wellen das alte Eisenschiff des Schäng hoch erreichten nun den dahinterliegenden Nachen, in dem der Schäng stand und den kleinen Pinsel genauso fest hielt, wie seinen brennenden Mucks in der „Schnüss“. Sie brachten den Nachen zum Kentern. Schäng mit Mucks und Kapp war Zehntelsekunden ganz im Wasser verschwunden, der Nachen lag mit der Unterseite nach oben…, wir hielten den Atem an, waren aber bereits vor Lachen am Prusten, als der Kopf vom alten Schäng wieder auftauchte und zwar mit Kappe auf dem nassen Kopf und mit "Mucks" in der Schnüss….. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir uns vor Lachen auf die Schenkel klopften…. …Schäng stieg seelenruhig aus dem Wasser, seine blauen Seemannsklamotten trieften vor Nässe, die Kapp hing schlapp über dem grauen Haar un dä "Mucks" wor immer noch in der Schnüss…. , als Schäng ein paar Sekunden später aus dem Wasser stieg, zog er an dem Mucks und siehe da, der brannte noch….(ganz ehrlich) …spätestens da war für uns alles vorbei, wir konnten nicht mehr vor Lachen, hauten uns immer wieder auf die Schenkel und weinten Bäche von Tränen der Freude über einen alten Mann, der ich echt ja unser Feind war… Wir, das waren in der Geschichte: „Moki“ Wolfgang Koczber, der Enkel vom Schorns Lui, Eddo Gastorf, der Sohn des damaligen „Robertson“-Chefs und meine Wenigkeit, vormals Nachenbesitzer im Hitdorfer Hafen in alter Tradition, Heinrich P. Schmitz, der Sohn des Anstreichers Schmitz von der Hitdorfer Brauerei…. …..und wenn wir dann in der Dämmerung die kleine Pitchbeinholzschaluppe lautlos über das spiegelglänzende Wasser des Hitdorfer Hafens gleiten ließen, während in Höhe Dormagen die Sonne hinter den Schornsteinen versank, nahmen wir die Silhouetten der alten Männer wahr, die auf dem Steuerplatz der alten Elisabeth in der Runde saßen und über das Wasser erschollen die alten Geschichten von früher und von denen, die nicht mehr bei uns sind. Drum seien einige hier erzählt. |
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Bereitgestellt von:
Heinrich Peter Schmitz |
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| Last-Update: 02.03.2009 15:09:50 | ||
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